Halbmarathon mit Nachruf

Ein (fast) perfekter Halbmarathon mit einem Nachruf

Es sollte einer meiner schönsten Läufe sein und er war es auch. Bis zu Kilometer 20. Denn dann passierte das, was man als Läufer/-in nie im Leben erleben möchte. Doch dazu unten mehr.

Finishermedaille Metro Marathon Duesseldorf 2019

Finishermedaille METRO Marathon Düsseldorf 2019

Im Rahmen der Vorbereitungen zum diesjährigen Marathon in Stockholm habe ich mich für die Halbmarathon-Strecke in Düsseldorf angemeldet. Meine beiden Lauffreundinnen waren dabei und liefen dieselbe Distanz mit. Das Training verlief für uns alle beinahe optimal. Wir sind mit unseren Zielen und sehr gut vorbereitet an den Start gegangen. Am Veranstaltungstag verlief auch alles super. Das Wetter war top: 9 Grad bei leicht bedecktem Himmel mit wenig Wind. Zum Schluss kam sogar die Sonne raus. Die Strecke in Düsseldorf ist sehr flach mit wenigen Höhenmetern, nach denen es dann logischerweise wieder mit Schwung bergab geht. Meine Uhr zählte 32,8 positive Hm. Das ist für 20,095 Meter so gut wie gar nichts. Die Verpflegung war einfach nur genial. Der einzige Nachteil war, dass der Hauptlauf etwas später startete und aus dem Grund nicht alle Musikbands auf der Strecke waren, als wir schon gelaufen sind. Das hat mich gestern etwas geärgert. Heute sehe ich es komplett anders. Mit meinem Ergebnis bin ich sehr zufrieden und habe meine Leistung bis vor wenigen Stunden sehr genossen. Doch dann kam die Nachricht, die ich nie bekommen wollte.

Als ich bei Kilometer 20 war und mich nur noch auf den Zieleinlauf gefreut habe, habe ich in meinem Rücken Schreie gehört. Geistesabwesende, herzzerreißende Schreie einer Frau, die für mich in dem Moment nicht sofort verständlich waren. Doch je lauter sie schrie und je näher sie an mich herankam, desto tiefer brannten sich ihre Worte in mein Gedächtnis: „P., P.! Was geschieht mit meinem Sohn! Was passiert mit meinem Sohn. P.! P.!“ Erst als ich die Sätze zum wiederholten Male gehört habe, habe ich auch realisiert, dass es die Schreie einer verzweifelten Mutter waren, die ihren Sohn auf der Strecke zusammenbrechen sah. Erst als ich an der Stelle vorbeigelaufen bin, an der er lag, habe ich es verstanden.

Der letzte Kilometer war für mich nur noch von einem Gedanken erfüllt: „Komm durch, bitte schaff es! Wer auch immer du bist, du musst es schaffen! Es macht keinen Sinn, heute und hier zu sterben. Du musst doch durchkommen!“ So oder ähnlich muss es noch vielen nach mir ergangen sein, die an der Stelle vorbeigelaufen sind. Wir haben gehofft. Doch der 32-jährige Läufer, der bei km 20 im Stadtteil Carlstadt kollabierte, verstarb in der Nacht zum Montag in der Uniklinik.

Lieber Leser, bitte entschuldige, wenn du in diesem Beitrag Infos zu meiner Pace, meiner Zielzeit und dem, wie ich mich im Detail auf den Lauf vorbereitet habe, erwartet hast. Dieser Beitrag ist nur am Rande meinem Finish gewidmet. Diesen Beitrag habe ich nur für den jungen Mann geschrieben, der gestern nicht ins Ziel kommen konnte. Wir werden nie erfahren, was der Grund seines Todes war. Hat er sich und seine Kräfte überschätzt? War er nicht gut genug vorbereitet? Litt er an Vorerkrankungen und hätte deswegen erst recht nicht teilnehmen dürfen? Fragen, auf die es nach Antworten zu suchen keinen Sinn ergibt.

Ich werde den Vorfall wahrscheinlich nie vergessen. Der gestrige Start wie auch der Finish wurden von einem Vorfall überschattet, den ich nie aus meinem Gedächtnis werde verbannen können. Man hat es zwar schon immer wieder gehört. Es war leider nicht der Erste, der während eines Wettkampfs verstarb. Es aber live erleben zu müssen, hat mich zutiefst bewegt. In Gedanken bin ich bei der Familie, den Freunden und den Angehörigen des Läufers. Habt Kraft!

 

 

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