Mein erster Ultramarathon

Mein erster Ultramarathon: Sechs-Stunden-Lauf um den Sander See

Das letzte Jahr steckte für mich voller Überraschungen, und leider waren nicht nur positive dabei. Eine OP und eine größere Krise im Privatleben haben mich kurz weggeknockt. Einen mega guten Job habe ich allerdings auch bekommen und bin dafür mehr als nur dankbar. Dieses Jahr begann mit einer blöden Verletzung und verlief, zumindest was sportliche Leistungen angeht, nicht wirklich nach Plan. An vergangenem Wochenende habe ich mich jedoch selbst besiegt. Ich bin zum ersten Mal in meinem Leben mehr als eine Marathondistanz gelaufen. Ich habe meinen ersten Ultrarun geschafft!

Sechs Stunden Lauf um den Sander See.jpg

Lang ist es her

Diejenigen, die mir hier, auf Facebook oder Instagram folgen, haben bestimmt gemerkt, dass ich in letzter Zeit selten bis gar nichts berichtet habe. Oder sie haben nichts von mir bemerkt, weil ich ziemlich viel geschwiegen habe. Der letzte Beitrag ist mehr als zwei Monate alt, was mir zwischendurch eine Portion schlechtes Gewissen bereitet hat. Das lange Schweigen hat Gründe. Letztes Jahr hat mich eine OP für ein paar Monate zurückgeworfen. Danach kam eine Ladung privates Zeugs, das ich nicht gebraucht hätte. Und Ende Januar 2018 habe ich mir eine Reizung der Quadrizepssehne am rechten Bein zugefügt. Eine fette Entzündung hinter der Kniescheibe kam dazu. Bis die Ursache für die Schmerzen gefunden wurde, hat es auch etwas gedauert. Zum Glück hat die Physio (für ein Rezept musste ich geradezu betteln, denn der Orthopäde wollte erstmal „beobachten“) geholfen, und mittlerweile macht Sport, vor allem wieder Laufen, Spaß. So weit, so gut. Ich glaube, jetzt bin ich wieder da und hoffe, regelmäßig Lesenswertes zu liefern.

Unverhofft kommt oft, und diesmal sogar auch sehr gut

Am letzten Samstag bin ich, völlig unerwartet, an meine Grenzen gegangen bzw. habe ein neues Ziel erreicht, ohne mir überhaupt eines zu setzen. Ich habe zuerst in meinem Leben die Marathondistanz bezwungen. Vielmehr noch: Ich habe in einem offiziellen Lauf fast 50 km geschafft. Somit darf ich mich, hoffe ich zumindest, Ultramarathonerin nennen. Und ich habe Blut geleckt. Lunte gerochen. Feuer gefangen. ICH WILL MEHR!!!

Sechs Stunden um den Sander See

Wie der Titel schon sagt: Es geht bei diesem Lauf sechs Stunden lang um den im Norden Deutschlands gelegenen See in Sande. Organisiert wird der Lauf jährlich von den Ultrafriesen. Teilnehmen können sowohl Einzelläufer als auch Staffeln. Der Lauf ist von dem DLV vermessen. Es werden so viele Runden wie möglich um den See gelaufen. Eine Runde zählt 1,882 km. Man kann jederzeit aussteigen, denn es werden volle Runden gezählt. Kurz vor Schluss läuft man mit einem mit der Startnummer versehenen Holzklötzchen. Genau nach sechs Stunden ertönen Trötengeräusche um den See. Für alle noch übrig gebliebenen Läufer heißt es, Klötzchen ablegen. Die Distanz von der Ziellinie bis zum Holz wird manuell vermessen und auf die zuletzt voll gelaufene Runde adiert. Von diesem Lauf habe ich von einem Bekannten – Ultrarunner und Laufjunkie – erfahren. Hätte man mir noch vor einer Woche gesagt, dass ich mitlaufen würde, hätte ich wahrscheinlich gegrinst. Gestern habe ich gegrinst, aber dazu später mehr.

Mein erster 30 km-Lauf, Marathon und Ultramarathon in Einem

Kurz vorweg: Mein letzter ernsthafter Start und somit ein Halbmarathon ist schon mehr als 15 Monate her. Seit der Zeit bin ich nur noch zweimal auf 10 und 5 km gestartet. Geplant war mehr, aber, wie oben schon geschrieben, kam mir einiges dazwischen.

Als am Donnerstag wieder das Stichwort „Sechs-Stunden-Lauf um den Sander See“ und der Satz „Komm doch einfach mit oder nach“ fielen, war es nur eine Unterhaltung von vielen. Ich habe mir zwar gedacht, dass es schön wäre, aber die Gedanken ans Knie haben Angst gemacht. Als ich dann am Freitag nach Feierabend im Auto saß, Laufsachen dabei, dachte ich immer noch, dass ich die Sachen dabei habe, um gemütlich durch Wilhelmshaven oder an der Nordsee laufen zu gehen. Und als ich samstags aufwachte, dachte ich immer noch, der Aufgabe nicht gewachsen zu sein. Doch irgendwann sagte ich mir: „Was soll’s. Du läufst einfach das, was du laufen kannst, und wenn es nicht mehr geht, steigst du aus.“ Das Projekt hieß aber immer noch nicht „Ultramarathon“.

Bild vom Sechs Stunden Lauf um den Sander See vor dem Lauf

Kurz vor dem Start

An dieser Stelle möchte ich ein großes Lob an die Mädels und Jungs von den Ultrafriesen aussprechen. Was die leisten, kann nicht jeder. Die Organisation verlief für so einen kleinen Lauf wunderbar. Die Verpflegung an dem Einzelläuferstand war 1A.

Losgelaufen bin ich relativ optimistisch und schnell. Mit einer konstant um die 5’45“ gehaltenen Pace habe ich 11 Runden geschafft. An der Stelle habe ich mir eine Pause an der Verpflegungsstation erlaubt und wurde von meinem Bekannten zum ersten Mal überrundet. Er hat übrigens mehr als 55 km geschafft und den ersten Platz in seiner AK belegt. Nach dem Ziel gefragt, habe ich, so naiv wie ich manchmal so bin, das Wort „Marathondistanz“ in den Mund genommen. Ich hatte ja sechs Stunden zur Verfügung.

Danach ging es immer noch gut weiter, bis bei km 28 ein Krampf in der rechten Wade kam. Da wollte ich schon aussteigen, aber Livesupporter haben mich motiviert. Mit Magnesium- und Salztabletten ging es weiter, allerdings wurde es nicht wesentlich besser. Erste Gehpausen mussten her. Das Ziel 30 km schien erreichbar und wurde auch erreicht. Doch langsam habe ich die Felle davonschwimmen gesehen, und die Zeit wurde auch weniger.

GRINS. Ich musste wirklich grinsen, als ich 38 km auf der Uhr hatte. Ich grinste wirklich und wurde mir in dem Moment erst so wirklich dessen bewusst, dass ich bald zum ersten Mal die Marathondistanz geschafft haben würde. Danach wollte ich aussteigen. Bei 43,3 km (volle 23 Runden) wollte ich die Startnummer abgeben, zum Verpflegungsstand gehen und nichts als essen und trinken. Doch als ich nach der nächsten und nächsten und nächsten Runde auf den Monitor mit den aktuellen Distanzen geschaut habe, wollte ich die vollen sechs Stunden schaffen.

Ich und mein Holz mit der Startnummer 90

Ich und mein Holz mit der Startnummer 90

Stolz wie Bolle bin ich nach 27 Runden noch 986 Meter mit meinem Hölzchen weitergelaufen, und als die Tröte ertönte, war ich glücklich, mehr als glücklich, mega und überglücklich. Ich habe zwar nicht die vollen 50 km geknackt, aber es ist mein neues Ziel. Und ja, ich bin stolz. Ich bin sehr, sehr stolz. Dieses Gefühl ist mit nichts zu beschreiben.

Urkunde vom Sechs Stunden Lauf um den Sander See

Spontaner einen Ultramarathon zu laufen geht es glaube ich kaum. Umso überraschter bin ich, wozu ich doch so in der Lage war. Und ich möchte mehr und mehr. Der nächste Trailrun kommt am Samstag, den 9.6. im Taunus. Ich freue mich schon. Und der erste offizielle Marathon, auf den ich jetzt trainieren werde, ist am 2. September in Koblenz. Wer weiß? Vielleicht sehen wir uns dort?

 

Werbeanzeigen

4 Gedanken zu „Mein erster Ultramarathon

  1. Hi Anna :), erst einmal wünsche ich dir Glückwunsch für das Vollenden des Ultramarathons, so eine Laufveranstaltung kann schon mal an den Nerven zerren und ist eine sehr kraft- aufwändige Leistung, Respekt! Gerade in einem (oder eben zwei) Jahr[en] in dem nicht alles glatt läuft und vorallem nach solch großen Operationen kann man so einen „Sport-Win“ schon einmal gebrauchen, umso mehr freue ich mich, wie gut es gelaufen ist *zwinker*. Das nächste Jahr steht ja bereits an und kann doch so mithilfe von positiven Gedanken und einem fitten Lebensstil nur besser werden. Auch ohne Marathon ist Joggen und Laufen gehen sicherlich eine der besten Varianten, sich fit zu halten, natürlich mit Voraussetzung, dass da auch die Ernährung stimmt. Laufen macht nicht nur sportlicher, sondern stärkt auch das Immunsystem, kann Krebs und Diabetes verhindern, Knochen stärken und stärkt vor allem den Willen und Bewusstsein für Gesundheit. Zwar halte ich keine Ultramarathons durch, aber halte es für sehr wichtig, Laufen in meinen Alltag zu integrieren.

    Liken

  2. Super. Lass Dir von einem recht sportlichen Mann sagen: ich schaffe das nicht 6 Stunden lang. Vorher gibt irgendein Körperteil auf, wie Knie oder Rücken. Top Leistung und sehr cooler Bericht! Hat mich motiviert, wieder mehr zu laufen.

    LG
    René

    Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s